Was ist und was will die Philosophische Praxis?

- Die zugrundeliegende Idee -

"Weiß ich, was Philosophie ist,
so dadurch, daß ich in ihr lebe;
durch eine Definition
weiß ich es noch nicht.”

Karl Jaspers

Die Philosophie wurzelt im Leben: auf dem Marktplatz, in der geselligen Runde, im Gespräch unter vier Augen. Sie entsteht aus der Nachdenklichkeit, aus der meditativ–reflexiven Aufnahme der Fragen, die das Leben aufgibt, aus dem Bedenken der Probleme, die ein jeder mit sich selbst und mit seinem Ort in Welt und Gesellschaft hat.


Die akademische Philosophie hat den Bezug zu den individuellen und gesellschaftlichen Problemen vielfach verloren, sie hat um Willen der ‘reinen Wissenschaft’ einen Graben zwischen sich und die lebendige Wirklichkeit gezogen. Diesen Graben gilt es zu überwinden, um so der Philosophie das Leben und dem Leben die Reflexion zurückzuerstatten. Dies möge ‘beiden Seiten’, die doch nur die zwei Seiten der einen Wirklichkeit sind, dienen.
Nicht geht es darum, Seminarphilosophie und Lebenswirklichkeit gegeneinander auszuspielen, sondern ganz im Gegenteil soll der ursprüngliche und anfängliche Zusammenhang erneuert werden. So soll auch gerade die in der akademischen Ausbildung erworbene Qualifikation und Professionalität an jene Fragen herangetragen werden, die allzu oft von einem Dilettantismus aufgegriffen werden, der sich vor nichts und vor niemandem verantworten muß.


Philosophie hingegen hat sich zu verantworten und hat Verantwortung zu übernehmen; und zwar nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Welt, in der sie sich bewegt. Philosophische Praxis versteht sich als praktizierte und engagierte Philosophie, die sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Einzelnen und der Gemeinschaft nicht entzieht, die sich einsetzt und benennt, um was es ihr geht: um Toleranz und Freiheit, um Würde und Achtung, um Autonomie und Verstehen – um das, was Menschsein ausmacht und was die Menschen hier und heute bewegt.


Das individuelle Gespräch wie das Gespräch in der Gruppe vermögen auf philosophische Weise zu klären und aufzuklären und so zur Selbstverständigung und zum Selbstverstehen zu führen. Dabei geht es nicht um Heilung und nicht um Belehrung, auch nicht um die Einordnung eines ‘Falls’ in ein vorgefertigtes theoretisches Konzept, sondern um die offene und vorurteilslose Unterredung, um gemeinsames Nachdenken, Fragen und Reflektieren, um Bewegung und Mitbewegung.


Philosophische Praxis als Ort praktizierter Philosophie kennt so viele Formen, wie es Wege gibt, miteinander ins Gespräch zu kommen, und so viele Themen, wie sich Fragen stellen mögen: Seminar und Gruppengespräch, individuelle Beratung und Unterredung geben im Ausgang von den Erlebnissen des Alltags, von philosophischen Texten und Thesen, von Kunstbetrachtung und Naturerlebnis die Möglichkeit, durch die philosophische Einsicht ein konstruktives und selbstgestaltetes Verhältnis zum Leben zu entwickeln.


Die hier angebotenen Gespräche begreifen Philosophie gleichermaßen als einen Denk– und als einen Lebensweg.


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Das Konzept meiner Philosophischen Praxis